für immer und selig

selig

Der Hintergrund

"selig". So steht es auf inzwischen vier Auflagen unseres Dekanatsjugend-T-Shirts. Aber warum? Sind bei uns im Dekanat alle selig? Wie ist das denn, wenn man "selig" ist?

von Martin Kugler

 

Warum ich die Seligpreisungen so liebe

von Karsten Schaller

Martin KuglerVor ein paar Jahren, ich hatte mal wieder eines der Selig-T-Shirts angezogen, begegneten mir in der S-Bahn drei Jugendliche. Sie schauten alle etwas irritiert auf den Aufdruck, bis einer mit verstellter Stimme, quasi pseudo-satanistisch, tief „Jesus“ rief. Dann liefen sie weiter. Kein Gelächter. Nur dieses eine Wort. Ich war recht überrascht, so wie die Jungs aussahen, hätte ich ihnen eher nicht zugetraut, dass sie den Aufdruck verstehen würden.
Kann man die Seligpreisungen aber auf „Jesus“ reduzieren? Für was steht Jesus eigentlich? Und was hat das alles wiederum mit uns als Evangelischer Jugend zu tun?


Für mich sind die Seligpreisungen inzwischen sehr zentral, insbesondere für die Arbeit in der EJ. Sie zeigen aus meiner Sicht zwei Dinge, die uns in der EJ dauernd angehen: Zum einen die ethische Frage, wie wir uns verhalten sollen. Klar können wir das Doppelgebot der Liebe, d.h. die Liebe zu Gott und die Liebe zu den Mitmenschen (vgl. Mt 22,37-40) als die Grundlage schlechthin betrachten, aber die Seligpreisungen ergänzen diese Grundlage doch sehr gut, indem näher beschrieben wird, was zu tun ist.

Zum anderen wohnt den Seligpreisungen aber auch ein eschatologischer Charakter inne, d.h. es zeigt sich etwas davon, wie das Reich Gottes, das durch Jesus Handeln an den Menschen erfahrbar wird, in Zukunft ausschauen wird. Gerechtigkeit, Sanftmut, Trost, Mitleid und Frieden stehen im Mittelpunkt. Dinge, für die es sich lohnt, schon im Hier und Jetzt einzutreten, aber auch Dinge, die das Reich Gottes charakterisieren. Dinge, für die es sich lohnt, in der EJ zu arbeiten.

Darum trage ich dieses Selig-T-Shirt bis heute mit einem gewissen Stolz. Es zeigt unsere Wurzeln, und es zeigt unsere Ideale. Ich bin gerne „selig“, und hoffe, dass es vielen anderen Jugendlichen im Dekanat auch so geht. Dass sie dieses T-Shirt mit einem gewissen Stolz tragen. Dass sie sich für dieses T-Shirt nicht rechtfertigen müssen, aber immer erklären können, was es damit auf sich hat. Dass sie gerne „selig“ sind.

Martin Kugler
langjähriger Mitarbeiter der Evang. Jugend im Dekanat

(LK-Vorsitzender von Oktober 2003 bis Oktober 2005,
Dekanatsjugendkammer-Vorsitzender von Mai 2005 bis April 2007)

 

Karsten Schaller„Freut euch! Jubelt! Ihr habt allen Grund, glücklich zu sein!“
Bei wenigen Worten aus den Evangelien springt einem so die Freude entgegen, wie bei den Seligpreisungen. Denn nichts anderes heißt das: „Selig!“.
„Selig“ meint nicht ein selig-verklärtes, leicht entrücktes Grinsen. „Selig“ meint auch nicht: „Ich komme, wenn ich das und das tue, irgendwann in den Himmel und gehöre zu den Seligen.“
Nein, „Selig“ heißt ursprünglich kurz und knapp: Freut euch!


Freude pur - das ist das, was Jesus hier den Menschen verspricht. Und diese Freude beginnt für ihn schon jetzt.
Die Gründe, die Jesus in diesen Seligpreisungen für die Freude bringt, tun uns auch heute noch gut, zum Beispiel sich sagen zu lassen: Du bist ein „Kind Gottes“. Das heißt für mich: Ich bin nicht allein. Da ist und bleibt jemand – Gott - an meiner Seite. Oder zu hören: In einer Welt, die der es oft so unbarmherzig zugeht, geht jemand – Gott - barmherzig mit dir um, so wie du bist. Auch das macht das Leben so viel leichter - ganz abgesehen von dem Trost, vom dem Jesus hier auch noch spricht.
Als Christen brauchen wir also wirklich nicht zerknirscht durch´s Leben gehen. Wir brauchen uns wirklich nicht ständig einen Grauschleier überzuwerfen, weil Religion angeblich nur etwas für ernste Menschen ist. Im Gegenteil. Es ist die reine Freude, die Jesus hier bei seiner Bergpredigt an den Anfang stellt und zu der er aufruft. Darum gehören die Seligpreisungen für mich auch zu den schönsten Texten der Bibel überhaupt.


Aber noch einen anderen Grund gibt es, warum ich diese Seligpreisungen so liebe. Sie zeigen uns auf einfache Weise, welche Wege auch wir gehen können, um selbst Glück und Freude zu verbreiten.
Das können wir, wenn wir selbst Friedensstifter werden oder mit anderen barmherzig umgehen. Das geht, wenn wir uns die Sehnsucht nicht nehmen lassen, dass unsere Gesellschaft und unsere Welt gerechter werden. Und nicht zuletzt liegt das Geheimnis des Glücks auch in dem „reinen Herzen“, was ganz einfach bedeutet: Ohne Vorbehalte, ohne Hintergedanken, vielmehr offen und unbefangen aufeinander zuzugehen. Gegenseitiges Vertrauen an den Anfang zu stellen – wir kämen so viel weiter.


Die Seligpreisungen sind für mich damit in doppelter Hinsicht „Wege ins Glück“: Für uns selbst und für andere. So gibt es für mich auch kaum ein schöneres Motto, das sich Evangelische Jugend „auf die Brust“ schreiben könnte, als den Anfang dieser neun kleinen Worte von Jesus: „Selig“.

Karsten Schaller
Dekanatsjugendpfarrer von Dezember 2001 bis Frühjahr 2007

Die Evang. Jugend und die Seligpreisungen

von Volker Napiletzki

(zum 10-jährigen Dekanatsjugendjubiläum, 2007)

 

Die Seligpreisungen

in der Übersetzung nach Martin Luther

Volker NapiletzkiAls die Dekanatsjugendkammer im Jahr 2002 eine Konzeption für die Evang. Jugend im Dekanat Bad Tölz erarbeitete, hat sie die Seligpreisungen ans Ende des Konzeptionstextes gestellt.

Ausgangspunkt und Ziel aller konzeptionellen Überlegungen und Planungen sollte ein biblischer Text sein. Man wählte die Seligpreisungen in einer freien Übertragung von Piere Stutz (ein ehemaliger Schweitzer Priester). Der Anspruch ist hoch: Die Seligpreisungen sollen „Richtschnur für unser Leben“ sein, heißt es in der Konzeption.

Auf den T-Shirts, die uns in der gesamten bayerischen Evang. Jugend bekannt gemacht haben, steht es plakativ drauf: "selig Mt. 5,1-11". Oft heißt es auf dem Landesjugendkonvent oder anderen Veranstaltungen: Ah, „selig“, Ihr seid doch die „Tölzer“!?

Viele Jugendliche der Evang. Jugend tragen das "selig-Shirt" nicht nur bei internen Veranstaltungen sondern auch in der Öffentlichkeit, in der Schule, im Alltag. Sie tragen es selbstbewusst und nehmen dabei in Kauf, darauf angesprochen zu werden und sich erklären zu müssen. Oft ernten sie auch nur neugierige bis skeptische Blicke oderablehnendes Kopfschütteln.

Was hat es also mit diesen Seligpreisungen auf sich? Was bewegt Jugendliche dazu, dieses T-Shirt zu tragen?

Vielleicht ist es ja die Eindeutigkeit und die Radikalität, die in den Seligpreisungen zum Ausdruck kommt: Ein klares Statement, hineingerufen in die Unvollkommenheit unserer Welt:
Gerade weil es Krankheit und Tod, Leid, Armut, politische und gesellschaftliche Unterdrückung, Streit und Krieg gibt, ja gerade weil unsere Welt so ist, wie sie ist, gerade deshalb brauchen wir die klare Ansage:
Nur, weil es so ist, wie es ist, muss, darf und soll es nicht so bleiben!

„Alles Unsinn“, mag da einer rufen. Die Seligpreisungen aus der Bergpredigt Jesu, die drehen sich ums Diesseits, da geht es um das Himmelreich, um das nah erwartete Gottesreich. Doch in der Bergpredigt wird kein ethisches Ideal verkündigt, dass erst „irgendwann einmal“ bei Gott verwirklicht sein wird, sondern „Gottesreich“ meint einen Zustand, der bereits angebrochen ist, aber noch nicht vollkommen. In dieser Spannung des „schon“ und „noch nicht“ leben wir: Der Anfang ist gesetzt, aber das Ziel noch nicht erreicht.

 „Selig sind“ oder, wie es Ernst Lange formuliert, „glücklich sind“ oder nach Piere Stutz „Den Weg zur Quelle finden jene“, dieses „selig“ meint „Heil“. Selig ist der Mensch, der trotz allen Unheils dieser Welt daran glaubt, dass das Ende allen Unheils zugesagt ist. Der nicht resigniert, sondern im Vertrauen auf die Kraft Gottes, die Liebe, daran mitarbeitet, dem Heil den Weg zu bereiten.

Wir arbeiten daran. 10 Jahre schon. Es ist nicht immer leicht.
Hören wir auf den Text, lassen wir uns anrühren, aufrütteln und ermutigen von den Worten Jesu:

 

Mt 5,1-12

Die Bergpredigt

Die Seligpreisungen

(Lk 6,20-49)


1 Als er aber das Volk sah, ging er auf einen Berg und setzte sich; und seine Jünger traten zu ihm. 2 Und er tat seinen Mund auf, lehrte sie und sprach:

3 Selig sind, die da geistlich arm sind; denn ihrer ist das Himmelreich

4 Selig sind, die da Leid tragen; denn sie sollen getröstet werden.

5 Selig sind die Sanftmütigen; denn sie werden das Erdreich besitzen.

6 Selig sind, die da hungert und dürstet nach der Gerechtigkeit; denn sie sollen satt werden.

7 Selig sind die Barmherzigen; denn sie werden Barmherzigkeit erlangen.

8 Selig sind, die reinen Herzens sind; denn sie werden Gott schauen.

9 Selig sind die aFriedfertigen;A denn sie werden Gottes Kinder heißen. A) Andere Übersetzung: »die Frieden stiften«.

10 Selig sind, die aum der Gerechtigkeit willen verfolgt werden; denn ihrer ist das Himmelreich.

11 Selig seid ihr, wenn euch die Menschen aum meinetwillen schmähen und verfolgen und reden allerlei Übles gegen euch, wenn sie damit lügen.

12 Seid fröhlich und getrost; es wird euch im Himmel reichlich belohnt werden. Denn ebenso haben sie averfolgt die Propheten, die vor euch gewesen sind.

(Übersetzung: Luther, 1984)
 

selig

Als die Dekanatsjugendkammer im Jahr 2002 eine Konzeption für die Evang. Jugend im Dekanat Bad Tölz erarbeitete, hat sie die Seligpreisungen ans Ende des Konzeptionstextes gestellt. Ausgangspunkt und Ziel aller konzeptionellen Überlegungen und Planungen sollte ein biblischer Text sein. Man wählte die Seligpreisungen in einer freien Übertragung von Piere Stutz (http://www.pierrestutz.ch/), ein ehemaliger Schweitzer Priester. Der Anspruch ist hoch: Die Seligpreisungen sollen „Richtschnur für unser Leben“ sein, heißt es in der Konzeption.

Auf den T-Shirts, die uns in der gesamten bayerischen Evang. Jugend bekannt gemacht haben, steht es plakativ drauf: "selig Mt. 5,1-11". Oft heißt es auf dem Landesjugendkonvent oder anderen Veranstaltungen: Ah, „selig“, Ihr seid doch die „Tölzer“!?

Viele Jugendliche der Evang. Jugend tragen das "selig-Shirt" nicht nur bei internen Veranstaltungen sondern auch in der Öffentlichkeit, in der Schule, im Alltag. Sie tragen es selbstbewusst und nehmen dabei in Kauf, darauf angesprochen zu werden und sich erklären zu müssen. Oft ernten sie auch nur neugierige bis skeptische Blicke oderablehnendes Kopfschütteln.

Was hat es also mit diesen Seligpreisungen auf sich? Was bewegt Jugendliche dazu, dieses T-Shirt zu tragen?

Vielleicht ist es ja die Eindeutigkeit und die Radikalität, die in den Seligpreisungen zum Ausdruck kommt: Ein klares Statement, hineingerufen in die Unvollkommenheit unserer Welt:
Gerade weil es Krankheit und Tod, Leid, Armut, politische und gesellschaftliche Unterdrückung, Streit und Krieg gibt, ja gerade weil unsere Welt so ist, wie sie ist, gerade deshalb brauchen wir die klare Ansage:
Nur, weil es so ist, wie es ist, muss, darf und soll es nicht so bleiben!

„Alles Unsinn“, mag da einer rufen. Die Seligpreisungen aus der Bergpredigt Jesu, die drehen sich ums Diesseits, da geht es um das Himmelreich, um das nah erwartete Gottesreich. Doch in der Bergpredigt wird kein ethisches Ideal verkündigt, dass erst „irgendwann einmal“ bei Gott verwirklicht sein wird, sondern „Gottesreich“ meint einen Zustand, der bereits angebrochen ist, aber noch nicht vollkommen. In dieser Spannung des „schon“ und „noch nicht“ leben wir: Der Anfang ist gesetzt, aber das Ziel noch nicht erreicht.

 „Selig sind“ oder, wie es Ernst Lange formuliert, „glücklich sind“ oder nach Piere Stutz „Den Weg zur Quelle finden jene“, dieses „selig“ meint „Heil“. Selig ist der Mensch, der trotz allen Unheils dieser Welt daran glaubt, dass das Ende allen Unheils zugesagt ist. Der nicht resigniert, sondern im Vertrauen auf die Kraft Gottes, die Liebe, daran mitarbeitet, dem Heil den Weg zu bereiten.

Wir arbeiten daran. 10 Jahre schon. Es ist nicht immer leicht. Hören wir auf den Text, lassen wir uns anrühren, aufrütteln und ermutigen von den Worten Jesu:
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